• 16|09|2011

    Die Märchenstunde des François B.

    Auch in der Wahlkampagne 2011 führen déi Gréng ihre Strategie weiter, in der Opposition eine Position und im Schöffenrat ihr Gegenteil zu vertreten.

     

    Zur Erinnerung: in den Monaten vor den Kommunalwahlen 2005, als sie also noch in der Opposition in der Hauptstadt waren, machten die Grünen mobil gegen die Pläne zur Erschließung des Ban de Gasperich und bezeichneten diese als Fehlplanung.

     

    Jetzt, wo sie Verantwortung im Schöffenrat tragen, wollen déi Gréng davon nichts mehr wissen. Voller Überzeugung und ohne mit der Wimper zu zucken, unterstützen sie das Projekt, mit der fadenscheinigen Begründung, es hätte sich in den letzten Jahren so geändert, dass sie es jetzt mittragen könnten.

     

    So argumentieren sie das Projekt hätte sich verändert „sougutt waat d'Ubannungen un den öffentlechen Transport ubelaangt wéi awer och d'Gestaltung vum Quartier. Do entsteet e ganz neie Stadquartier matt deem gréissten Park dee mer herno an der ganzer Stad Lëtzebuerg hun. Den Tram fiert herno dohinner. Also, daat heescht alles daat zesummen huet gemaacht natierlech, datt mer haut dee Quartier do an de Projet  wei en haut ass, aneschtes gesin wéi en nach ausgesin huet firun 6 oder 7 Joer" (François Bausch im RTL-Interview vom 12. September 2011).

     

    Aus den Presseberichten von der Präsentation des Masterplans im November 2004 geht allerdings eindeutig das Gegenteil hervor. Schon damals war vorgesehen, dass „ein leistungsfähiges öffentliches Transportnetz aufgebaut werden [müsse] um den Kraftfahrzeugverkehr möglichst niedrig zu halten. Auch soll der Rad- und Fußgängerverkehr gefördert werden. Für die Bereiche Grossfeld und Howald-Bahnhof sollte die restriktive Stellplatzsatzung der Stadt Luxemburg angewandt werden. (…) Der neue Bahnhof Howald sei die Basis für den öffentlichen Personennahverkehr im Plangebiet und die Vernetzung zwischen Eisenbahn und dem städtischen öffentlichen Transportnetz. (…) In der Mitte des Boulevard seien Flächen für den Bus bzw. den Train-Tram reserviert. Dem nicht motorisierten Verkehr würden entlang der Hauptachsen großzügige Fuß- und Radwege zur Verfügung gestellt, ergänzt durch Wege im Park (…)." (Luxemburger Wort vom 11. November 2004)

     

    All die Elemente die déi Gréng jetzt für ihren Sinneswandel ins Feld führen, beinhaltete das Projet „Ban de Gasperich" also auch damals schon: Anbindung an das öffentliche Transportnetz, Park, Tramanbindung (übrigens wurde damals auch schon über eine Anbindung an die Gare périphérique Cessange nachgedacht).

     

    Und im Gegensatz zum damaligen Projekt, ist in den heutigen Plänen auch eine Erschließung des „Midfield" zwischen Gasperich und Howald vorgesehen. Kombiniert mit einer Aufweichung der restriktiven Stellplatzpolitik durch den aktuellen blau-grünen Schöffenrat, führt das aktuelle Projekt zu einer wesentlichen Verschlechterung der Lebensqualität, auch und insbesondere was die Mobilität durch die Förderung des Individualverkehrs anbelangt. Ganz zu schweigen von der zu geringen Anzahl an bezahlbaren Wohnungen, denn in der Tat ist, entgegen langjähriger Forderungen seitens der Stater Sozialisten, solch bezahlbarer Wohnraum für Familien mit Kindern leider nur in absolut ungenügender Anzahl vorgesehen. Soviel zur Ernsthaftigkeit der Prioritäten "Kinder" und "Wohnungsbau" der Grünen.

     

    Vielleicht sollte sich der Verkehrsschöffe der Stadt auch die Aussagen seiner Kollegin V. Loschetter in der Gemeinderatssitzung des 31. Januar 2005 noch einmal ansehen. Zu den Abänderungen am Masterplan von Seiten des Schöffenrats nach Beanstandung durch den Gemeinderat meinte sie damals "die übrigen Abänderungsvorschläge erachten wir schlichtweg als 'Frechheit'. Die 'Natur- a Vulleschutzliga' fordert den Erhalt der Grüngürtelzone sprich den Erhalt des Feuchtbiotops im Gaspericher Bann und nicht eine künstlich angelegte Parkanlage".

    Und es ist genau diese Parkanlage die der grüne Spitzenkandidat jetzt als Argument FÜR das Projekt anführt. Wie wollen die Grünen da noch glaubhaft bleiben?!

     

    Über das damalige, und auch heute noch nicht im positiven Sinne veränderten, Projekt sagte die aktuelle Schöffin vor fast 7 Jahren: "Das Projekt 'Ban de Gasperich' ist und bleibt eine Fehlplanung". Eine Fehlplanung die déi Gréng allerdings 7 Jahre später voll und ganz unterstützen.

     

    Das einzige was sich für déi Gréng geändert hat, ist, dass sie damals in der Opposition und jetzt im Schöffenrat sind. 2004 sprachen sie sich gegen ein Projekt aus, das sie jetzt, in einer verschlechterten Form, unterstützen.

     

    Dies ist keine ehrliche Politik gegenüber den Bürgern der Stadt Luxemburg und insbesondere des Stadtviertels Gasperich.

     

    Die Stater Sozialisten fordern déi Gréng und insbesondere François Bausch deshalb auf sich bei den Bürgern und ihren eigenen Wählern zu entschuldigen und ihnen endlich reinen Wein einzuschenken. Die Bürger der Stadt haben einen ehrlichen Wahlkampf und aufrichtige Politiker verdient.

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